Navajo-Indian-Architecture

Die indianische Kultur Nordamerikas ist bei uns in Europa häufig nur aus einschlägigen Western und Hollywood-Produktionen bekannt. Leider enden diese Filme in der Regel recht ungünstig für die Indianer - sie sterben (siehe ‘Winnetou’) oder sie verschwinden in den unendlichen Weiten des amerikanischen Kontinents (siehe ‘Der mit dem Wolf tanzt’). Andere, mehr zeitgenössische Filmproduktionen, wie ‘PowWow Highway’ oder ‘Smoke Signals’ wurden nie übersetzt und sind entsprechend unbekannt.

Doch wie leben die Indianischen Nationen heute? Gibt es sie überhaupt noch?

Ich habe lange überlegt, ob und wie ich meine Erfahrung mit den Indianern Nordamerikas erzählen soll und bin zu dem Schluss gekommen, dass es eine schöne und erzählenswerte Geschichte ist.

Meine Erfahrung mit der Navajo-Nation ist untrennbar verbunden mit dem Longest-Walk-2.

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Dreißig Jahre nach dem ersten Marsch quer durch Amerika fand vom 11. Februar 2008 bis zum 11. Juli 2008 der zweite Longest Walk statt, um auf die Anliegen der Indianischen Nationen und Umweltveränderungen aufmerksam zu machen. Die Wanderung startete auf Alcatraz, San Francisco, und führte auf zwei Hauptrouten und über 3.600 Meilen quer durch Amerika bis nach Washington D.C.

Auf diesem Weg wurde zahlreiche Reservatsgebiete durchquert und die Teilnehmer des Longest Walks herzlichst willkommen geheißen. Es wurden Feste gefeiert, Konzerte veranstaltet und die Anliegen und Sorgen des jeweiligen Stammes mit auf die Reise gegeben. Die Teilnehmer haben unzählige Strapazen auf sich genommen. Es wurden die Rocky Mountains überquert, im Schneesturm campiert und Wüstengebiete durchquerten.

Wir hatten die Ehre, die Wanderung durch den Bundesstaat Arizona mitzuerleben. Beeindruckend sind die Bilder vom dem Besuch des Havasupai-Reservats. Die Havasupai (People of the blue-green waters) leben am Colorado-River, am Fuße des Grand Canyon. Sie sehen sich selbst als die Wächter dieses Naturwunders. Die nachfolgenden Bilder zeigen Impressionen des Festes, dass zu Ehren der Longest Walker gefeiert wurde.

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Die hier sichtbaren traditionellen Kleider und Körperbemalungen werden zu besonderen Anlässen und Zeremonien getragen. Darüber hinaus kleiden sich Indianer heute wie viele andere Amerikaner auch: Jeans, Tennisschuhe und Geländewagen sind der Alltag.

Das größte Reservatsgebiet in Arizona ist das der Navajo-Nation. Es umfaßt etwa eine Fläche in der Größe des Freistaates Bayern. Die Reservatsgebiete sind selbstverwaltet. Die Stämme verfügen z.B. über eigene Schulen, Krankenhäuser und einen Polizeidienst. Kurz bevor wir das Reservatsgebiet erreichten, waren wir zu Besuch bei der Star School. Hier werden junge Navajos zwischen 5 und 12 Jahren unterrichtet. Neben den klassischen Unterichtsfächern wie Mathematik, Chemie usw. erhalten die Kinder die Möglichkeit ihre Muttersprache zu lernen. Sie lernen den traditionellen Anbau von Tabak, der in zahlreichen Zeremonien verwendet wird und lernen Tiere zu schlachten, auszunehmen und das Fleisch zuzubereiten. Die Navajos möchten die traditionelle Ernährung wiederbeleben, da man festgestellt hat, dass zahlreiche Erkrankungen innerhalb der Stämme auf ungesunde Ernährung zurück zu führen sind. Traditionell werden alle Teile eines Tiere zubereitet. So geschah es auch für uns und ich muss gestehen - es war gewöhnungsbedürftig Innereien zu essen. Ziemlich lecker waren hingegen die ‘Navajo-Tacos’, die in den folgenden Tagen noch häufig für uns zubereitet wurden.

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Die Schulgebäude wurde in Holz-Lehmbauweise errichtet. Dieses sind die traditionellen Baumaterialien der Navajos. Die Schule verfügt über Solaranlagen und Wasserzisternen. Sie ist dadurch weitestgehend autark. Die Klimatisierung der Gebäude wird über bewässerte Vegetationszonen im Eingangsbereich der Häuser realisiert. Der Untericht finden in den Klassenräumen und im Außenbereich statt. Hier wurde eine Arena errichtet, deren Eingang, der Tradition folgend, nach Osten ausgerichtet ist - dem Sonnenaufgang entgegen.

Am nächsten Morgen erreichten wir das eigentliche Reservatsgebiet und werden von Tänzern, dem Medizinmann und Navajo-Warriors begrüßt. Die Mustangs leben hier in der Steppe Arizonas nach wie vor frei. Die indianische Kultur kennt keinen Besitz oder Grenzen. Ein Tier oder eine Pflanze sind niemals unser Eigentum, sie sind unsere Brüder und Schwestern. Entsprechend sehen wir immer wieder Pferde oder Rinder, die frei auf dem Highway laufen.

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Unsere nächste Station ist Dilkon. Im Gemeindehaus begrüßen uns die Stammesältesten - in der Navajo-Sprache, mit anschließender Übersetzung ins Englische. Hier sehe ich zum ersten mal einen Hogan, das traditionelle Wohnhaus der Diné (Navajo).

Die Wohnhäuser bestehen aus einem Grundgerüst aus Holzstämmen, meist in 6 oder 8-eckiger Grundform. Bei den neueren Häusern werden Fenster in die Außenwände eingesetzt. Traditionell gibt es allerdings nur den Eingang an der Ostseite und eine Entrauchungs-/ Belichtungsöffnung im Dach. Viele Familien besitzen, neben ihrem eigentlichen Wohnhaus oder Trailer, einen Hogan. Er wird bis heute für Feierlichkeiten und Zeremonien verwendet.

In den nachfolgenden Bildern habe ich die Aufnahmen in ihrer bauhistorischen Entwicklung geordnet. In der ursprünglichsten Bauart sind die Häuser mit einer dicken Erdschicht vollständig bedeckt. Die Erdschicht gleicht die zum Teil extremen Temperaturschwankungen aus und schafft ein angenehmes Innenklima. Wir waren im März/ April in Arizona. Am Tage lagen die Temperaturen schon deutlich über 30° C, während in der Nacht der Frostpunkt unterschritten wurde. In den Sommermonaten wird es hier noch deutlich heißer. Dies ist auch der Grund, warum viele weiße Amerikaner den Süden Arizonas während der Sommermonate verlassen - oder die Klimaanlagen 24 h/d laufen lassen.

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Bei den etwas neueren Hogans wird die Erdschicht nur noch auf die Dachkonstruktion aufgebracht. Bei den neuen entfällt sie ganz.

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Die letzten Bilder zeigen eine moderne Interpretation des Hogan.

Das allerletzte Bild zeigt zwei ‘Sweat Lodge’s . Sie dienen einer heiligen Reinigungszeremonie und sind bei allen indianischen Nationen Nordamerikas zu finden. Ihr Grundgerüst besteht aus Zweigen bzw. dünnen Ästen, die bogenförmig verspannt werden. Die Bedeckung erfolgt mit Häuten oder Decken. An zentraler Stelle wird eine Kuhle gegraben, in die glühende Steine gelegt werden. Sie werden für Männer und Frauen getrennte errichtet. Die Teilnehmer sitzen kreisförmig in absoluter Dunkelheit um die glühenden Steine. Wasser wird mit Zweigen auf die Steine gesprenkelt und verdampft …

Ich bedanke mich zutiefst bei den Diné und den Organisatoren des Longest Walk 2, dass sie mir die Teilnahme an der Wanderung und an einer heiligen Zeremonie ermöglich haben. Ich bedanke mich bei den Teilnehmern des Longest Walk, die aus allen Teilen der Welt zusammengekommen sind und ihre Gedanken und Erfahrungen mit mir geteilt haben.

Ahéhee´